Details, Wirklichkeit und Spiegel

Etwas durcheinander…. aber von dem einen kam ich auf’s andere… Angefangen hat der Gedanke mit Details. Ich liebe ja Details. Sie machen doch das meiste erst interessant. Wobei ich nicht wirklich sicher sagen kann, was ich als erstes wahrnehme, also erst ein Detail und dann den Rest drumherum oder was cooles ganzes, wo ich nach und nach die Details erkenne. Ich denke das wird sich wohl die Waage halten. Aber was immer ist, ist wenn ich Details interessant finde, möchte ich das Ganze erforschen und wenn ich das Ganze langweilig finde, interessieren mich die Details auch nicht. Nach einigen Tagen des sporadischen Nachdenkens über dieses Thema konnte ich mir eine Frage aber immer noch nicht beantworten: Wie kann ich denn was spannend oder lahm finden und das entscheiden, ohne es zu kennen, und wie kann ich etwas beurteilen, wenn es mich nicht interessiert und ich mich so gut wie null damit beschäftigt habe? Vielleicht ist es ja was mega cooles, nur springt der erste wichtige Funke bei mir halt nicht über? Wie selektiere ich sowas unbewusst? Aufzwingen kann ich mir Interesse nicht. Entweder ist es da oder halt nicht. Ist ja eigentlich vielen Dingen gegenüber etwas unfair. Aber auf der anderen Seite kann/muss ich auch nicht alles auf Anhieb toll finden. –> to be continued

Auf jeden Fall trifft das mit den Details ja wirklich auf sooo vieles zu, in erster Linie beim Thema hier auf das Visuelle. (Bei Menschen aber auch charakterlich besonders spannend, gerade die kleinen Details machen viele doch erst so liebenswert und je mehr man von vielen kleinen Puzzleteilen kennenlernt, umso schöner wird oft das Gesamtbild. Oder halt auch umgekehrt 😉 )

Was ist eine superschöne Landschaftsaufnahme, wenn man keine Details mit dabei hat oder erkennen kann? Sie machen doch ein für mich schönes Bild erst aus, auch in der Realität vor Ort. Oft wandere ich gedanklich durch das Bild und suche erstmal, was es da überhaupt alles gibt und dann kommt die Perspektive, bzw. eventuelle Störfaktoren soweit wie möglich zu eliminieren und wenn dann alles drauf ist, klick. Ein Minidetail ist mir da oft wichtiger als das Ganze: wenn es drauf muss, muss es halt drauf. Nicht immer, aber halt oft. Ob das als Betrachter auffällt, keine Ahnung. Ist für mich auch in erster Linie nicht ausschlaggebend. Eine Landschaft mit Schluchten und Hügeln ist ja für mein Verständnis auch tausend mal spannender als einfach nur eine glatte Wiese und ein wolkenloser Himmel. Kann auch schön aussehen, aber ist halt meistens langweilig. Wenn ich unterwegs bin, habe ich momentan eigentlich nur 2 Objektive dabei. Ein 70-200 und ein 16-35. Wenn ich dann zu Hause die Speicherkarten überspiele, merke ich auch recht schnell, dass ich mit dem Tele viel mehr aufnehme. Weitwinkel ist schon auch cool, aber Landschaft mit Tele find ich noch cooler. Ich komme zur Zeit eh immer mehr weg von den Ultraweitwinkelaufnahmen. Mein 14mm nutze ich nur noch nachts, das wird mir tagsüber schon wieder zu viel was ich nicht mehr richtig differenzieren kann. (Kann auch daran liegen, dass ich einfach zu faul bin, Bilder zu beschneiden, daher mache ich das auch so gut wie nie. Muss also vorher passen, und zwar so, wie ich das will. Auch sowas, fällt mir gerade ein, „Bilder beschneiden“: –> Wenn ich mit 16mm fotografiere, dann weil ich den 16mm Anblick am Schluss auch haben will. Ich sehe da keinen Sinn drin, alles erstmal aufzunehmen, um dann die Hälfte wieder wegzuschneiden. Dann brauche ich auch keinen Weitwinkel und kann gleich mit einer anderen Brennweite herumhantieren.)

Beim Blick in den Spiegel fallen einem ja auch oft Details auf. Ein Fältchen hier, ein Pickelchen da, usw., manchmal frage ich mich, warum das oft so wichtig ist. Also auch, warum ich selbst in den Spiegel schaue. Im Prinzip, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert, doch total unwichtig. Ich denke nicht, dass es eine Katze interessiert, wie sie heute im Spiegel aussieht oder egal was für ein anderes Lebewesen. Auch interessiert es z.B. meine Katzen null, wie ich gerade aussehe. Oder warum Schminken wir uns und eliminieren auf Fotos oft kleine Details, die wir nicht so schön finden (hab ich bei Selfies ja auch schon gemacht)? Wie verdreht ist unsere Wahrnehmung, dass wir so gerne die Wirklichkeit manipulieren? Warum stören mich auf Landschaftsaufnahmen Mülleimer und Menschen und Autos usw? Warum kommen da meistens total verfremdete Bilder als „Endprodukt“ raus? Warum zählt das optische Aussehen oft mehr als das, was ein Mensch ausstrahlt? Ist eine makellose supertoll geschminkte Haut wichtiger als eine „makellose Seele“? –> Warum sind uns die Details (auch unseres Aussehens) oft so wichtig? Ein für mich menschlich leerer „perfekter, glattgebügelter Vorzeigekörper“ hat mich glaub noch nie zum Lächeln bringen können. (Mir kommt gerade der Gedanke, mal eine Woche ohne Spiegel zu leben. Ich glaub, das ginge gar nicht. Die hängen ja echt überall oder man läuft an einem Fenster vorbei usw.) Und warum blenden wir das für uns Negative so gerne aus? ich mache das zumindest sehr gerne. Sicher einige Fragen, die ich mir heute selbst noch nicht beantworten kann, aber man sollte sich ja immer ein paar Ziele setzen, vielleicht sehe ich das in einem Jahr etwas entspannter und habe das eine oder andere weitere Mysterium für mich geklärt 😉

Die Quintessenz von diesen Gedankensprüngen ist für mich jedenfalls, einfach zu versuchen, bewusster wahrzunehmen und auch in bekanntem Neues zu entdecken. Und vielleicht auch mal etwas toleranter zu werden und manchen Dingen und Menschen etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken, bevor ich mir ein Urteil bilde. Das ist wohl die größere Herausforderung für mich. Mülleimer, Autos und Menschen werde ich jedoch weiterhin eliminieren 😉

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