Meine Reise durch ein dreidimensionales Bilderbuch – Engadin 2024 Teil 1

Ein etwas ausführlicherer Reisebericht – Teil 1 von 3

Tag 1 – Anreise

Da ich es wieder nicht abwarten konnte, Richtung Alpen aufzubrechen, hatte ich meine Ferienwohnung schon ab Samstag Abend gebucht. So konnte ich vormittags noch arbeiten und dann direkt wieder wie letztes Jahr von dort starten. Mein ursprünglicher Plan war, über den Grenzübergang Hörbranz bei Bregenz am Bodensee zu fahren, ich mag die Strecke über Stuttgart runter irgendwie ganz gerne. Dann kamen Staumeldungen.

Ankunft bei der Ferienwohnung mit Blick ins Val Bever

Da ich eh noch auf der A5 war, bin ich dort einfach geblieben. Diese Variante fahre ich manchmal auf dem Heimweg, aber hin gab es die bei mir noch nicht. Und was soll ich sagen, es lief gut, ich hatte nur zwei kurze Staus, ein Unfall und dann ziemlich hohes Verkehrsaufkommen um Zürich herum. Da es nachts auf den Pässen Schnee gab und ich da direkt bei der Anreise nicht soooo die Lust drauf hatte -es geht da schon ziemlich tief runter, wenn man doch arg ins Rutschen kommt- bin ich kurzentschlossen mit dem Vereina Autoverlad ins Unterengadin gereist und konnte so noch ein ziemlich cooles Erlebnis mitnehmen, dass mich schon länger interessiert hat. Einfach mit dem Auto auf den Zug fahren und dann 18 Minuten etwa durch einen Tunnel und dann wieder auf die Straße, total unkompliziert. Es hat nur ziemlich arg gewackelt, da kam mir dann irgendwie doch kurz der Gedanke, dass eine Notbremsung jetzt nicht so geil wäre, da steht Stoßstange an Stoßstange. Die Mitarbeiter dort hatten alle ein Lächeln im Gesicht, das fand ich auch richtig schön. Und dann war ich nach ca. 30 Minuten schon da. Noch schnell was eingekauft und dann ging es ans Auspacken. Es war teils sonnig, dann wieder regnerisch, dann irgendwie beides und es sah so schön aus!

Tag 2 – Besuch im Val Roseg und schwere Augen

Ohne, dass ich mir meinen Wecker gestellt hatte, war ich im frühen Morgengrauen aufgewacht. Der erste Blick aus dem Fenster ließ in der Dunkelheit viel Nebel erahnen und die frische, kühle Luft hat mich direkt munter werden lassen. Also zog ich mich an und bereitete mir ein gutes Frühstück, bevor ich mich mit dem Fahrrad aufmachte, um mir das Val Roseg anzusehen. Dort war im April ein mächtiger Felssturz – ein Teil des Piz Scerscen (geschätzt werden über eine Million Kubikmeter Fels und Eis) ergoss sich auf einer Länge von rund 5km in das Tal und veränderte die Landschaft dort nachhaltig. Noch im letzten Jahr wanderte ich zum Laj Vadret, der sich hinter der Moräne des Gletschers versteckt. Der Weg, den ich immer nahm, ist jetzt nicht mehr vorhanden und der Weg zur Zunge des Felssturzes ist gesperrt. Aus gutem Grund. Ich war tatsächlich etwas überrascht. Von Bildern kannte ich das neue Landschaftsbild, aber es sah in echt aus sicherer Entfernung weit weniger auffällig aus, als vermutet. Der Winkel ist von meinem Standort aus allerdings auch nicht mit Sicht direkt in den Verlauf hinein gewesen. Dennoch wurde mir wieder eindrücklich klar, dass gerade in den Alpen immer wieder Veränderungen stattfinden. Daher sollte ich auch nicht so viel auf das jeweils nächste Jahr schieben, wer weiß, ob es dann nicht gravierende Veränderungen gab und mein Ziel nicht mehr da oder der Weg dorthin nicht mehr passierbar ist.

Kühle Morgenstimmung

Als ich mit dem Velo ins Tal hineinfuhr, verzog sich allmählich der Nebel und machte den ersten Sonnenstrahlen platz. Ab und an begegnete ich jemandem, aber es war noch sehr ruhig und so genoss ich die Ruhe und das wunderschöne Tal. Am Wegesrand gab es irgendwann noch kleine Schneereste an den schattigen Passagen, das war ein schönes Bild. Die Temperatur war erst recht angenehm, ich hatte nur kalten Füße, weil ich keine dicken Socken anhatte. Nachdem ich ein wenig Zeit im Tal verbracht hatte, machte ich mich gegen Mittag wieder auf den Rückweg. Durch das leichte Gefälle war ich mit dem Velo fast doppelt so schnell als auf der Hinfahrt und das machte sich direkt bemerkbar. Die jetzt gefühlt eiskalte Luft zog überall hinein und ich fror und fror. Als ich später wieder in der Sonne war, konnte ich mich gar nicht mehr richtig aufwärmen, also fuhr ich in mein Quartier, aß etwas warmes und legte mich zum Aufwärmen einfach ins Bett. Nachdem ich dann den ganzen Nachmittag verschlafen hatte, machte ich mich am Abend nocheinmal auf ins italienische Livigno. Dort konnte ich günstig Tanken und noch ein paar Vorräte besorgen und außerdem dem Berninapass Hallo sagen.

Tag 3 – Val da Camp

Saoseo-See

Pünktlich um 6 Uhr klingelte der Wecker und ich war voller Vorfreude auf das Val da Camp. Dort war ich tatsächlich erst ein einziges Mal, das war während meines ersten Schweizurlaubs. Der Himmel war Wolkenverhangen, es kam hin und wieder mal kurz die Sonne hervor und so fuhr ich den Berninapass hinunter und stellte mein Auto in Sfazu ab, wo ich dann auf das Velo wechselte. Der Berg ging hoch und höher, es gab fast keine ebeneren Wegabschnitte…Umso froher war ich, als ich nach gut fünf Kilometern und 440 Höhenmetern mein Velo abstellen konnte und zu Fuß weiterging. Mein primäres Ziel war der Lagh da Val Viola. Dort wollte ich auch mein Frühstück genießen, denn so früh hatte ich heute noch keinen richtigen Hunger. Während meines Fußmarsches kam immer mal wieder kurz die Sonne durch, dennoch verschwand sie für eine längere Zeit, nachdem ich am See angekommen war. Auf dem Rundweg nahm ich noch einen Abstecher zum Lagh da Scispadus vor und danach verweilte ich noch kurz am berühmten Saoseo-See. Auf zig Bildern ist dieser im Internet zu sehen, er gilt als einer der schönsten, wenn nicht sogar der schönste, Bergseen der Schweiz. Das kann ich aber so nicht behaupten. Die Farbe ist zwar wunderschön, aber so richtig hüpft mein Herz dort einfach nicht. Mein liebster See, den ich immer wieder auf´s neue so wunderschön finde, ist der Laj Palpuogna. Farblich und vom Rundweg ein Traum. Als ich dann wieder auf dem Rückweg zu meinem Velo war, kam natürlich wieder die Sonne raus und beleuchtete die Landschaft, die nun in leuchtenden Grüntönen alles dominierte. Die Bremsen taten zurück zum Auto beste Dienste, es war eine festgefahrene Schotterstraße und ich war froh, als ich wieder unten war. Dauerbremsen war nicht so toll. Auf dem Weg zurück nach Bever konnte ich am Lago Bianco noch ein paar schöne Momente auf meinen Speicherkarten festhalten, tiefe Wolken, blauer Himmel, Wind, so liebe ich es!

Am Abend fuhr ich nochmal ein paar Meter mit dem Auto, um noch eins, zwei Nachtaufnahmen zu machen, allerdings machte mir die Malojaschlange einen Strich durch die Rechnung.. Die Malojaschlange ist eine schlangenförmige Wolkenformation, die sich vom Bergell hoch, über Maloja, ins Oberengadin zieht und hier in der Gegend unter eben diesem Namen bekannt ist, irgendwie habe ich sie bisher immer gesehen, vor allem aber morgens, jetzt kam sie wohl schon recht früh am Abend wieder. Also überlegte ich, wo ich noch hin könnte. Auf den Julierpass. Nun ja, dort oben war auch alles in Nebel/Wolken gehüllt, nur ein paar Sterne blitzten zwischen dem Dunstschleier hindurch. Besser als nichts. Dann ging es aber gleich wieder zurück. Bevor ich dann müde und extrem durchgefroren ins Bett gefallen bin, habe ich noch zwei Versuche des nächtlichen Fotografierens in Bever versucht. Das Ergebnis ist aber leider nicht so geworden, wie ich es gerne gehabt hätte. Morgen möchte ich mir die Erdpyramiden im Val Sinestra anschauen.

Tag 4 – Val Sinestra

Nachdem ich die ganze Nacht gefroren hatte und für heute keinen Wecker gestellt hatte, wachte ich recht spät auf und hatte schreckliche Halsschmerzen und fühlte mich überhaupt nicht für einen Ausflug gewappnet. Ich überwand mich schließlich trotzdem noch und machte dafür ein etwas ruhigeres Programm, wieder mit dem Fahrrad. Ich hatte ca. eine Stunde Fahrtzeit mit dem Auto nach Ramosch, von wo aus eine alpentypische steile Straße den Berg nach Vnà hinaufführt. Auf den Karten sieht das immer so „normal und flach“ aus, aber in 3D und reell wünsche ich mir immer, dass ich möglichst wenig Gegenverkehr bekomme. Vnà ist ein total schönes Dorf am Eingang zum Val Sinestra. Dort parkierte ich mein Auto (in der Schweiz heißt es Parkieren 😉 ) und schwang mich wieder auf mein Velo. Nach anfänglicher Unsicherheit, ob meine gewählte Route frei befahrbar war (es hat dort aktuell Straßenbauarbeiten) konnte ich nach einem kurzen Gespräch mit einer netten jungen Frau, meine Zweifel vergessen und fuhr einfach ins Tal hinein. Es geht dort wahnsinnig steil den Hang hinab und auf der gegüberliegenden Talseite geht auch eine Fahrstraße durch den dichten Wald, ich hatte viele Wiesen und konnte schön schauen, was dort alles ist. Unterwegs bin ich nur wenigen Menschen begegnet, aber mit fast jedem entsteht dort immer ein nettes Gespräch. Nach ein paar Kilometern, die mal bergauf, mal bergab gingen, kam dann die Abzweigung hinunter zum Bach. Das war schon etwas steiler und ich dachte mit Unbehagen daran, dort wieder hinauffahren zu müssen.

Erdpyramiden

Direkt an der Brücke unten hatte ich dann endlich die Erdpyramiden, wegen denen ich primär hierher kam, entdeckt. Sie sind etwas versteckt und wohl von der anderen Talseite aus recht gut sichtbar. Leider konnte ich nicht allzuviel sehen, aber so ist das in der Natur. Mittlerweile kam die nette Wanderin, jetzt in Begleitung einer anderen Wanderin, wieder vorbei und wir unterhielten uns nochmal. Dabei bekam ich den Tipp, dass vom oberen Fahrweg nochmal die Erdpyramiden besser zu sehen seien und hier im Tal oft ein Adler unterwegs sei. So nahm ich auf dem Rückweg noch die andere Abbiegung und kam zu einer total idyllischen Maiensäss-Siedlung. Von dort aus konnte ich nochmal von oben in die Pyramiden schauen und sogar der besagte Adler ließ sich blicken. Es lohnt sich immer, mit den Einheimischen zu reden. Erstens sind sie nett und zweitens können Sie einem noch gute Hinweise geben, die man so nirgendwo lesen kann.

Nachdem ich meine Bilder gemacht hatte, kam direkt der Regen und ich machte mich wieder auf den Rückweg. In Scoul stoppte ich noch einmal, um die alte Trinkhalle „Büvetta Tarasp“ anzusehen. Mittlerweile ist sie geschlossen, aber hat trotzdem noch ihren Charme. Dort konnten früher Menschen einkehren, die in Scoul waren, um Trinkkuren durchführen, es hat dort sehr viele Quellen.

Büvetta Tarasp

Dann war der Tag für mich schon wieder vorbei, etwas Tee trinken, etwas Essen, und dann Sachen für morgen packen. Der Wetterbericht sagt morgen am Vormittag noch ein wenig Sonne voraus, bevor nach Mittag Schnee fallen soll. Daher habe ich mich entschlossen, den frühen Tag im Val Trupchun zu verbringen und dann je nach Wetterlage wieder langsam zurück zu wandern. Das Velo bleibt morgen zu Hause, das hindert doch oft am Fotografieren und zu Fuß sehe ich viel mehr und kann genauer schauen.

Tag 5 – Val Trupchun und Albulapass

Mit dem festen Plan, heute ganz früh durch das Val Trupchun zu wandern, habe ich, als es doch ziemlich regnete, erstmal abgeschlossen und entschied mich dann erstmal für ein schönes Frühstück. Als gegen 10 Uhr der Regen aufhörte, machte ich mich dann auf den Weg und packte mich extra schön in meinen neuen Wintermantel warm ein, da ich mich irgendwie beim Radfahren ziemlich unterkühlt hatte und die Nierengegend schmerzte. Das sollte mir noch zum Verhängnis werden. Am Fuße des Val Trupchuns angekommen, schien die Sonne und es wurde dort minütlich wärmer. Mein Fußmarsch war direkt gegen die Sonne und der Weg bot nur wenig Schatten. Ich schwitzte und es war unerträglich warm und zudem war ich unentwegt geblendet vom grellen Sonnenlicht. Nach dem ersten Kilometer etwa entschied ich mich, wieder umzukehren und mir geeignetere Kleidung zu holen, denn zu meiner Ferienwohnung waren es nur knapp 20 Minuten. Frisch und vor allem leichter bekleidet hatte ich dann allerdings irgendwie nicht mehr so den Antrieb, dorthin zu fahren. Es hat irgendwie einfach nicht gepasst an diesem Vormittag. Also entschied ich mich nach einigen Überlegungen, einen Abstecher auf den Albulapass zu machen. Mein Seelenort hier in der Gegend. Dort war ich seit meiner Ankunft noch nicht gewesen, das war sowieso sehr außergewöhnlich.

Oben angekommen hat mich direkt wieder die Magie dieses Ortes erfasst. Das erste Mal seit Urlaubsbeginn konnte ich richtig runterfahren und meine innere Ruhe wiederfinden und genießen. Zwei Murmelies konnte ich auch noch kurz sehen. Für diese Jahreszeit ein seltenerer Anblick hier oben. Der Wind bließ unentwegt und die Wolken spielten die ganze Zeit mit den Bergspitzen. Es macht mir einfach Spaß, diese Naturkräfte zu sehen und zu spüren.

Tag 6 – Ofenpass

Il Jalet

Es war wieder Regenwetter angesagt. Ich verpackte meine Technik schön mit Gefrierbeuteln als Regenschutz und machte mich auf zum wundersschönen Ofenpass. Er ist mitten im Schweizer Nationalpark und so stelle ich mir auch Kanada vor. Dort ist ein kleiner Berg, der Il Jalet, den ich schon letztes Jahr auf meine Bucketliste aufgenommen hatte. Richtig interessante Felsformationen, die wirklich außergewöhnlich sind, machen das Besondere von ihm aus. Da Schnee gemeldet war, fuhr ich gleich am Vormittag hin, damit der Wanderweg, den ich gehen wollte, nicht schneebedeckt war, sonst hätte ich das gecancelt, da die Gefahr des Ausrutschens dann doch zu groß wäre. Schließlich kann man ohne weiteres steile Hänge herabstürzen, ohne Netz und sichere Geländer oder kleine Wiesenstücke, die den Weg sicher flach umranden und einige Meter breit sind. Es gibt einen Rundweg dort herum, der südliche Weg ist der ausgesetztere und geht dann ziemlich den Berg hoch, damit begann ich, falls der Schnee doch etwas liegenbleiben sollte, dann hätte ich den „gefährlicheren“ Teil bereits hinter mit. Mit meinen Teleskopwanderstöcken war ich dort dann auch sehr trittsicher unterwegs und der Schnee wurde am Boden direkt zu Wasser und es war auch nicht rutschig. Durch den Nebel konnte ich gerade so weit sehen, dass es perfekt zum Fotografieren war. Schneeflocken, Nebel, perfektes Fotowetter für mich. Nach dem ersten Stück ging es dann einige Meter etwas steiler den Berg hinauf und in der gegenüberliegenden Seite kamen zwei kleinere Höhlenartige Ausbuchtungen im Gelände zum Vorschein, die ich aber nicht weiter erkundete, der Weg dorthin war für heutiges Wetter nicht so geeignet. Bei der nächsten Weggabelung ging dann das eigentliche Abenteuer los. Ein unsäglich steiler, im Zickzack führender Pfad lag vor mir und bot wenige Gelegenheiten, um die Kamera zu bedienen. Das machte ich tatsächlich nur ein, zweimal. Einhändig ohne den Zoomring zu betätigen. Schließlich geht die Sicherheit dann doch vor. Langsam und konzentriert machte ich Schritt für Schritt und versuchte, mein Gleichgewicht nicht durch unnötiges Nutzen der Kamera zu stören. Tatsächlich kann das schon mal passieren, wenn man durch den Sucher nach oben schauend, abgelenkt wird. Dort war kein Schritt Reserve und ein kleines Schwanken kann dort das eigene Ende sein. Es ging steil herunter, ohne Bäume, die den Fall bremsen würden. Auf einem Teilstück von knapp 100 Metern waren 50 Höhenmeter zu überwinden. Keine Treppe oder Seil. Das sind die Alpen. Daher sollte man sich vorher gut vorbereiten und nicht in Turnschuhen dort hinkommen. Genauso sollte man Schwindelfrei sein und keine Panik in der Höhe bekommen. Ein Stolpern dort könnte tatsächlich den Tod bedeuten. Du fällst den Abhang herunter, schlägst auf Steine auf, und bleibst dann schließlich irgendwo liegen. Diese Gefahr geht immer mit und man sollte Respekt vor ihr haben. Und das war kein alpiner Höhenweg auf entlegene Gipfel, sondern ein kleiner, fast unbedeutender Rundweg, der von der Schwierigkeit nichts besonderes ist.

Auf dem Rückweg ins Engadin ging der Schnee nach einigen hundert Metern direkt wieder in Regen über und ich legte keine Fotostops mehr ein, da ich meine Technik nicht mehr aus dem gut verschlossenen Rucksack herausnehmen wollte. Alles war sehr durchgekühlt und im wärmeren Auto hätte es sofort zum Beschlag und zur Kondensation geführt. Unnötig wollte ich das Risiko, meine Sachen zu schrotten, nicht eingehen. So wurde alles, wie es war, ersteinmal ein paar Stunden wieder auf einigermaßen Zimmertemperatur gebracht und ich genoss einen Nachmittag mit einer meiner Lieblingsfernsehserien. Etwas Gammeln darf man im Urlaub ja auch mal.

Tag 7 – Bever

Blick aus dem Wohnungsfenster zum Bahnhof

Die Nacht brachte eine Minischneedecke und das war perfekt für einen Spaziergang ins Val Bever, das direkt hinter dem Haus seinen Eingang hat. Es sah alles Pudergezuckert aus und das könnte spannend für meinen Kamerasensor werden. Die Tonwerte sind quasi nur ganz hell und ganz dunkel, durch die noch fast komplett dunkelgrünen Lärchen im kalten Licht des wolkenverhangenen Himmels. Später sollte es noch ein wenig Schnee geben, also war die Vorfreude schon ziemlich groß, wieder ein paar Schneeflocken zu sehen. Die Temperatur war genau zwischen Regen und Schnee, am Anfang des Weges hatte es Regen und ein paar Kilometer weiter im Tal schneite es bereits. Vorbei an der Bahnbaustelle Spinas (dort wurde der neue Albulatunnel gebaut, der mittlerweile auch in Betrieb ist) wurde der Weg immer steiler und brachte mich mitten in eine wunderschöne Berglandschaft. Ein Stück Pfad durch den Wald, fast am Bach Beverin entlang, es hallte das schnell fließende Wasser durch das ganze Tal. Nach einiger Zeit wurde der Weg ziemlich flach und die Landschaft wurde etwas übersichtlicher. Durch den Schnee und Nebel konnte ich zwar nicht bis ans Ende schauen, aber es war trotzdem ein sehr netter Spaziergang. Ab und an begegnete ich ein paar Leuten, aber dennoch war es dort sehr einsam. Im Sommer würde ich dort auch gerne mal sein, ich konnte mir richtig die Landschaft sonnendurchflutet mit einem warmen Wind und dem Geruch der Natur vorstellen. Ich habe mir während meines Weges dort überlegt, dass ich nächstes Jahr vielleicht mal im Sommer meine Ferien hier verbringen werde. Längere und wärmere Tage, viele Picknicks, leichte Kleidung… da hätte ich tatsächlich auch mal Lust drauf. Zudem hat es in den Sommermonaten auch eine ganz andere Flora und Fauna und ich bin wirklich immer im Herbst hier.

Tag 8 – Albulapass

Heute Nacht hatte es etwas neuen Schnee gegeben und die Berge hier hatten alle weiße Hauben auf. Da ich dem Albulapass eh noch einen zweiten Besuch schuldig war, machte ich mich am späten Vormittag auf und rund um die Passhöhe war alles in winterliches Weiß gekleidet. Dramatische Wolken am Himmel, Schnee, wunderschön anzusehen. Nachdem ich meine ersten Fotos gemacht hatte, ging es weiter zum Palpuognasee. Ich liebe diesen Ort. Tiefes Grün und Cyan leuchten hier im Wasser, sobald die Sonne direkt reinscheint. Der Himmel war noch ziemlich wolkenverhangen, aber ab und zu ließ er die Sonnenstrahlen durch. Ein kleiner Spaziergang einmal um den See und dann ging es direkt weiter nach Bergün. Dort wollte ich leckeren Alpkäse kaufen, wofür ich extra mein Twintguthaben großzügig vorher aufgeladen hatte. Twint ist eine App, mit der man hier in der Schweiz allerlei Dinge zahlen kann. Parkplatz, in Geschäften, Hofläden, also ich finde die App ziemlich gut und praktisch, gerade für Spontankäufe bei den kleinen Hofläden.

Unterwegs musste ich noch einige Fotostops machen, sodass die Zeit wie im Flug verging. Um den Piz Ela zu sehen, wartete ich (wie meistens, wenn ich dort bin) fast eine Stunde, es stellte sich aber kein Erfolg ein, also beschloss ich, diesmal auf den Anblick meines Lieblingsfotoberges diesmal zu verzichten und wieder nach Hause zu fahren, um mich aufzuwärmen. Später traf ich mich noch mit einer lieben Freundin dort und so war der Abend auch noch richtig nett geworden. Einige Tage zuvor gab es einen heftigen Sonnensturm, das bedeutete, die Chancen auf erneute Polarlichter in diesem Jahr waren eventuell groß, aber leider gab es dann doch keine, also konnte ich guten Gewissens einfach im warmen Bett bleiben und nur ab und an nochmal zur Kontrolle aus dem Fenster schauen.

Tag 9 – Nichtstun

Heute habe ich einfach mal nichts getan. Lange im Bett gelegen, dann angefangen, meine Sachen zusammenzupacken, denn morgen hieß es, der Ferienwohnung Lebwohl zu sagen. Noch etwas Putzen, nochmal hinlegen und dann war der müde Sonntag auch schon wieder vorbei. Morgen geht es dann weiter auf meine sehr geliebte Diavolezza. Eine Fortsetzung folgt.

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2 Kommentare

  1. heel mooi,maar niets van St.Moritz ?

    1. Hello, no, I just drove through St.Moritz, I prefer the other places in the Engadin

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